Historie / Inselbahn Details / Entwicklung / 1920
Entwicklung bis:
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Langeoog erhält eine Pferdebahn
Planung und Bau der Bahn vom Anleger zum Ort
Auf Betreiben der Gemeinde plant die Dampfschiffsreederei Esens-Bensersiel-Langeoog eine Pferdebahn. 1897 sollten die Gleise zwischen der
Landungsbruecke von 1892 und dem 1893 erbauten Gepäckschuppen verlegt werden. Die Gemeinde stimmte dem Plan zu aber es kam nicht zu einer Ausführung.
Im Jahr 1901 gründete die Reederei eine Tochtergesellschaft, die Langeooger Pferdebahn-Gesellschaft OHG, die den Bau und Betrieb einer Pferdebahn auf Langeoog durchführte. Im Februar 1901 bestellte die Gesellschaft bereits Gleis- und Oberbaumaterial. Am 03.Mai.1901 wurde mit der Abteilung für direkte Steuern und Domänen der Regierung zu Aurich der Pachtvertrag für das benötigte Gelände abgeschlossen. Am 06.Mai. 1901 brachte das Schiff "Hollandic" die bestellten Schienen aus Dortmund. Einen Monat später, am 01.06.1901, waren die gesamten Gleisanlagen fertiggestellt.
Die meterspurige 3,5 km lange Pferdebahnstrecke führte vom Hospiz, wo sich ein dreiständiger Wagenschuppen befand, durch das Dorf und die Hellerwiesen zum Anleger. An Wagen hatte man bei den Stahlwerken Freudenstein in Tempelhof bei Berlin einen geschlossenen Personenwagen, drei Sommerwagen und einen Gepäckwagen bestellt. Außerdem gab es einige Loren für den Transport von Handgepäck auf dem Anleger. Am Sonnabend (Samstag) dem 22.Juni.1901 wurden die ersten Wagen mit der holländischen Tjalk "Gertudide" angeliefert und die Bahn am Nachmittag feierlich eröffnet.
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Langeoog 23. Juni. Die erste Fahrt auf der Pferdebahn rief auf ganz Langeoog große, freudige Bewegung hervor. Spontan und gewaltig kam es zum Ausdruck, wie sehr die ganze Inselgemeinde bei diesem für das fernere Aufblühen des Seebades so bedeutungsvollen Fortschritt interessiert war. Wohl ist in dem letzten Dezennium sehr viel für das Seebad Langeoog und ganz besonders für seine Verbindung mit dem Festlande geschehen - wir erinnern nur an den Neubau des stattlichen Stahldampfers Kaiserin Auguste Victoria - aber eine bessere Beförderung von der Brücke bis zum Dorf und vica versa, auf dieser Strecke Unterkommen und Schutz gegen Sturm, Regen und andere Unbill war das Sehnen aller Derjenigen, die Langeoog besuchten. Man konnte es zartfühlenden Müttern mit ihren Kindern nicht verargen, wenn sie heimliches Bangen beschlich beim Besteigen er hochrädrigen "Wasserdroschken". Eine Pferdebahn mußten wir haben. Heute ist das Erwünschte Ereigniß geworden. Die "Wasserwagen" werden bald wie die antidiluvianischen "Wüppen", mit denen in den siebziger Jahren die Kurgäste befördert wurden, der Vergangenheit anheimfallen, und diese Art des Personenverkehr wird späteren Geschlechtern als Sage erscheinen. Es ist Sonnabend nachmittag. Auf der Rhede liegt die holländische Tjalk "Gertudide" mit den ersten Wagen der Langeooger-Pferdebahn-Gesellschaft Nachdem wir unsere alte "Lore", die uns schon viel Freude und Kummer bereitet hatte, in Stand gesetzt hatten, Tisch und Stühle darauf gepflanzt waren, fuhren wir straks zur Rhede, um dem Aushebenbeizuwohnen. Auch Junglangeoog wollte sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Größer und größer waren die Scharen der
| Zuschauer. Dann kam mit Fahnen und Kränzen schwer beladen der Wagen der Ehrenjungfrauen. Nachdem die Herren der Direktion begrüßt und die Erlaubnis erteilt war, wurde der Wagen reichlich bekränzt. Ein dichter Kranz von Girlanden schmückte den vornehmen, eleganten Wagen, worauf sich der frohe Zug mit Sing und Sang, mit Kling und Klang in Bewegung setzte. Obenauf saß der Bannerträger und ließ die Fahne lustig wehen. Fast spielend zogen die munteren Rosse den federnden Wagen, obgleich er mit reichlich 40 Personen sehr dicht besetzt war. Aus dem Wagen erklang es lustig "Deutschland, Deutschland über alles", "Kennt ihr das Land so wunderschön", zwischendurch ertönten aus dem Wagen die muthigen und steinerweichenden Weisen der "Langeooger Strand- und Dünenkapelle", die allerdings sonst nur im Winter aus ihrer bescheidenen Verborgenheit hervortritt, aber auch diesen großen Tag nicht in heimlicher Muße begehen mochte. Am Dorfeingang und vor den einzelnen Hotels hatte sich die Menge geschaart, bis zum Hospiz bildeten die Insulaner und Kurgäste Spalier. Überall ertönten brausende Hurrahs, von den Masten flatterten Fahnen, die Glocken läuteten vor den Hotels, die Häuser waren illuminiert, überall, weit und breit in der wogenden Menge laute, jubelnde Freude. Und als nun erst der Wagen die "Postkurve", das bisherige Sorgenkind leicht und schön passiert hatte, rollte er in rascher Fahrt dem Hospize zu. Und wir waren der frohen Genugtuung, einen bedeutungsvollen Tag der Langeooger Geschichte miterlebt zu haben. Das einstige sehr arme Fischerdorf hat sich zu einem modernen Seebade empor gehoben.
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Anmerkung: Der Bericht über die Eröffnung der Inselbahn Langeoog erschien im Anzeiger für Harlingerland in der Ausgabe Nr. 74 vom Dienstag dem 25.Juni 1901. Datiert ist der Bericht auf den 23.Juni 1901 (Sonntag). An diesem Tag wurde der Bericht geschrieben. Aus dem Text geht hervor, daß das Abladen der ersten Wagen und die Eröffnung der Inselbahn am Sonnabend (Samstag) Nachmittag stattfand. Dies war der 22.Juni 1901.
Zug der Pferdebahn bestehend aus zwei Sommerwagen in der "Postkurve" (Ecke Haupt-
und Barkhausenstrasse) auf dem Weg zum Anleger.
Betrieb der Pferdebahn
Die Fuhrleistungen der Pferdebahn wurden an den Fuhrunternehmer Gerke Albers vergeben. Am 02.Juli.1901 fand die amtliche Abnahme durch Landrat Budde zu Wittmund und Baurat Panse zu Norden statt.
Neben Personen und Gepäck wurde mit der Pferdebahn ab Betriebsbeginn auch Post befördert. Während damals Postsäcke befördert wurden wird heute die Post in Behältern befördert. Für die Postbeförderung erhielt die Pferdebahngesellschaft 250 Mark pro Geschäftsjahr (vom 1.6 bis 31.5). 1909 erhöhte sich der Betrag auf 300 Mark. Von 1910 bis 1913 wurden 400 Mark und ab 1914 wurden 450 Mark gezahlt.
Die Güter wurden weiterhin auf Reede in hochrädrige Pferdewagen umgeschlagen. Später beschaffte die Pferdebahngesellschaft einige Güterwagen. 1905 waren neben 4 Personenwagen, 2 Gepäck- und 5 Güterwagen im Bestand. Der Frachtumschlag auf Reede schlief daraufhin langsam ein und endete in den dreißiger Jahren völlig.
Da der
Gepäckschuppen den Anforderungen nicht entsprach wollte die Reederei 1906 eine Bahnhofsanlage am Ende der Hospizstrasse (heute Barkhausenstrasse) errichten. Diese Baumassnahme wurde aber vom der Gemeindeversammlung mit knapper Mehrheit abgelehnt.
Im Jahr 1908 wurde am Wasserturm ein Ladegleis eingerichtet. Mit dem Kaufmann T.J.Pauls wurde ein Vertrag betreffs der Weichenstellung geschlossen. In den zwanziger Jahren wurde das Gleis wieder entfernt.
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