Historie / Schiffahrt Details / Entwicklung / 1863
Entwicklung bis:
1863
1888
1914
1930
1950
1970
1973
1978
1980
1990
2002
Schwieriger Anfang
Erste regelmässige Fährverbindung
Wann die erste regelmäßige Verbindung zwischen Langeoog und dem Festland eingerichtet wurde ist heute nicht mehr feststellbar. Erste Ansätze dazu gab es in der Mitte des 18.Jahrhunderts. Vorher wurde eine unregelmäßige Verbindung zum Festland meist unter Benutzung gestrandeter Boote durchgeführt, insbesondere für den Kirchgang zum Festland, nach Baltrum oder Spiekeroog da Langeoog zeitweise keine Kirche und keinen Pastor besaß. Die Postverbindung wurde mit Wattenläufern aufrechterhalten. 1830 wird erstmalig die Verpflichtung eines herrschaftlichen Fährmanns für eine regelmäßige Verbindung zum Festland erwähnt. Fährmann Cassen Frerichs kauft mit staatlicher Unterstützung eine Schaluppe zur Durchführung einer regelmässigen Fähr- und Postverbindung. Im April 1831 wird das Boot vom Sturm zerschlagen. Zu diesem Vorfall schreibt der Inselvogt in seinem Bericht vom 25.04.1831:
In dem heftigen Winde welcher in voriger Woche stattgehabt ist wurde das Fährboot von unserer Insel ganz zerstoßen, so daß fast nichts davon geborgen werden konnte. Es fehlt auch jetzt ganz an einem Schiffe mittels dessen wir die Kommunikation zwischen der Insel und dem Festland unterhalten zu können. Nur die ihm hochgnädigst bewilligten 15 Reichstaler konnte Cassen Frerichs zum Ankauf des Fährboots verwenden und es spricht für sich selbst, daß er dafür nur ein altes gebrechliches Boot erhalten hat. Das er noch solange damit fahren konnte ist als ein Wunder anzusehen und nur der Sorgfalt, welcher er darauf gewandt hat ist die Ursache, daß das Boot nicht schon längst zertrümmerte.
1831 werden 30 RT Unterstützung gezahlt. Es ist anzunehmen, daß dieser gegenüber dem Vorjahr doppelt so hohe Betrag auch zur Beschaffung eines Ersatzbootes gedacht war.
Geringer Verdienst und wechselnde Fährschiffer
Wegen der geringen Einnahmen wechseln in der Folgezeit häufig die Fährleute. 1839 wird Tjark Heeren Tjarks Fährmann nachdem das jetzige Fährboot abgängig ist und Cassen Frerichs nicht in der Lage ist ein neues Boot zu kaufen. 1843 erhält der Fährschiffer Jost H. Börgmann, nachdem der Fährmann Tjarks in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 1843 durch Kälte und Nasswerden während der Überfahrt verstorben ist, die Genehmigung der Commune das Fährboot von den Erben zu kaufen. Im Vertrag mit der Inselgemeinde vom 31.03.1843 wurde festgelegt, daß jeden Mittwoch, in der Saison jeden Montag und Freitag, eine Verbindung mit dem Festland durchzuführen ist und zwar nach dem Willen der Interessenten entweder nach Bensersiel oder Westeraccumersiel. Bei ungünstigen Wetter ist die Fahrt am nächsten Tag durchzuführen.1845 geht der Fährvertrag auf den Krämer Frerich Jakob Pauls über. Zu diesem Zwecke hat er sich für 600 RT Gold die Schaluppe "Vangerow" bauen lassen, die für 12 Personen in der ersten und ebenso viele Plätze in der zweiten Klasse bietet. Er bittet um eine Unterstützung von 25 RT jährlich für die Beförderung der Official-Sachen, da von der Fährschiffahrt kein großer Verdienst zu erwarten sei. Bewilligt werden ihm aber nur 12 RT im Jahr.Erster Kapitän war Fokke H. Fokken. Ein Verkauf der Schaluppe im Jahr 1846 an Claas Wiemken Alberts, der auch den Fährvertrag übernehmen will, wird von amtlicher Seite aufgehoben. Das Schiff geht an Pauls zurück. Wegen Unzuverlässigkeit wird sogar daran gedacht Pauls die Krämerei zu entziehen. Drei Jahre später übernimmt Focke Heden Focken den Fährbetrieb.

Mit solchen Segelkuttern wurden die Fahrgäste in den Anfangsjahren der Inselschiffahrt befördert.
1850 geht dann der Fährbetrieb an Hans Thomas Pauls über. Er setzt dafür die für 300 RT Gold neu gebaute Schaluppe "Amtmann Kettler" ein. Rudolf Christoph Euken schildert in seinen Lebenserinnerungen eine Überfahrt nach Langeoog um 1850:
Ein kleines Fährschiff, das gegen ungünstige Winde nur sehr langsam aufkam, nahm uns auf. Bei etwaigem Wenden der Segel mussten die Reisenden sich auf den Boden legen und diese Prozedur wiederholt auf sich nehmen. In der Kajüte zu bleiben war bei der Enge des Raumes nur bei schlechtesten Wetter möglich. Kam man nach stundenlanger Reise endlich ans Ziel, so fuhr ein Wagen, eigentlich mehr ein Karren, mit dem bezeichnenden Namen "Wüppe" ins Meer an das Schiff heran und führte die Passagiere in ihre Wohnung, welche man sich schon vorher bei irgendeinem Fischer und Seemann gesichert hatte. Der Haushalt war schwierig, da die Damen den größten Teil der Lebensmittel, darunter auch Fleisch und Gemüse vom Festland beziehen mussten. Nur wenn das Fährschiff kam, erhielt die Insel Hefe, so daß Brot und Kuchen gebacken werden konnten. Diese erfreuliche Tatsache wurde durch Hissen einer Flagge verkündet.
4 Jahre später will Pauls Setzschiffer werden. Seine Kündigung des Fährvertrag wird aber dahingehend beantwortet, daß er bis 1860 Fährschiffer zu bleiben habe, da er eine grosse Beihilfe erhalten habe. 1854 macht man sich Gedanken darüber Bensersiel als einzigen Fährhafen festzulegen. In einem Dokument der damaligen Zeit ist dazu zu lesen:
Bensersiel hat Vorzüge für uns und angenehm für uns könnte sein, wenn wir zweimal in der Woche fahren könnten. Doch würde wenn Bensersiel allein die Fähre hätte wohl zu berücksichtigen, daß dort das Brot viel schlechter sei als auf Accumersiel, daß sich auf letztgenannter Stelle die Steuerrezeptur ist und daß das Fährboot für Passagiere nicht so gut eingerichtet ist als eine Privatschaluppe von hier, die während der Badezeit die Verbindung mit Bensersiel vermittelt.
Am 06.01.1855 bittet Pauls um eine Beihilfe für sein beschädigtes Fährboot:
In dem am 01. des Monats stattgehabten Sturm ist mein auf der Rhede Langeoog belegen gewesenes Fährschiff vom Anker losgerissen und zur Schleuse bei Carolinensiel hingetrieben, wodurch dasselbe stark beschädigt und zur Zeit ganz unbrauchbar geworden ist. Die Wiederherstellung dieses, meines Fährschiffs, bedeutet eine bedeutende Kostenauflage, deren Bestreitung indes bei meinem sehr beschränkten Vermögen meine Kräfte gänzlich übersteigt. Die Reparaturkosten werden auf 45 Reichstaler und 18 gute Groschen geschätzt.
Ob man diesem Gesuch stattgegeben hat und wieviel Zuschuss zu den Reparaturkosten gezahlt wurde ist nicht bekannt.1859 wird Bensersiel durch Gemeindebeschluss einziger Fährhafen für die Verbindung mit dem Festland während man vorher wahlweise nach Bensersiel oder Westeraccumersiel fuhr.Der Fährbetrieb unter H.T. Pauls verlief aber nicht immer reibungslos. Während man ihm 1860 noch bescheinigt, daß er den Fährbetrieb gut durchgeführt habe, ist das Gegenteil in einem Brief des Pastors an das Amt Esens vom 12.März.1861 zu lesen.Unter anderem wird Pauls vorgeworfen, daß er unfähig ist das Schiff in gutem Zustand zu halten, Fährtermine nicht einhält, sich nicht an die Taxe hält, daß er keinen ordentlichen Schiffsknecht hat und daher ohne Mithilfe der Fahrgäste nicht fähig ist die Überfahrt durchzuführen und das die Wahl von Pauls als Fährschiffer hauptsächlich deswegen erfolgte, weil alle, vor allem der Vogt, bei ihm Schulden haben.
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